Von Monstern und Menschen - Zoes Geschichte

Ja, der Titel ist richtig spannend^^ Aber mir fällt mal wieder nichts besseres ein^^ 

Meine zweite größere Geschichte, die  ich aber erst reinstellen werde, wenn ich daran noch ein bissl mehr rumgebastelt habe :) <- jetzt habe ich schon ein bissl dran rumgebastelt, aber eben noch nicht alles. Es wird das ganze denke ich stückchenweise geben.

 

Zoe ist die Tochter eines der reichsten Männer der Welt und wurde seit ihrer Geburt an nach Strich und Faden verwöhnt. Ihr Leben läuft richtig gut bis sie auf heiterem Himmel entführt wird. Und von wem? Von den gefährlichen Kreaturen der Nacht, die ihr Vater seit ihrem Outing jagt. 

Prolog: Von Regen und Jägern

Ich renne durch die Abenddämmerung. Mein Atem geht schwer. Ich biege erneut um eine Ecke. Jetzt beginnt es nach zwei Monaten der Trockenheit auch noch zu regnen, und dass in der denkbar ungünstigsten Situation – wenn eine Jagd stattfindet. Aber vielleicht bringt der Regen auch etwas Gutes mit sich. Er wird hoffentlich die Spuren verwischen sodass uns die Spürhunde nicht mehr riechen können.

Ich frage mich, wo die Anderen sind. Seit wir die Nachricht von der Jagd bekommen hatten und ich genau wie all die anderen mit meinem Rucksack aus dem Haus gestürmt war hatte ich keinen von ihnen mehr gesehen. Hoffentlich schaffen es alle, denke ich. Es ist noch ein gutes Stück zum Haus von Tia. Tia ist eine Freundin von mir und meiner Familie und wir haben schon vor langer Zeit ausgemacht, dass wir uns bei ihr treffen, sollte jemals eine Jagd stattfinden und wir fliehen müssen.

Wie ist es zu dieser ungünstigen und schlimmen Situation eigentlich genau gekommen? Nun, dass ist eine lange Geschichte. Und zwar keine lustige. Kein bisschen. Es ist eine Geschichte, die vor drei Jahren begonnen hatte. Damals war die Welt noch in Ordnung gewesen. Mehr oder weniger. Einigen Dingen hatten sich in diesen Jahren stark verändert, aber andere waren vollkommen gleich geblieben.

Die Politiker schoben das Thema des Klima- und Umweltschutzes vor sich her und somit auf die nächste Generation. Die Erde hatte sich weiter erwärmt, die Pole waren kaum noch von Eis bedeckt, der Meeresspiegel war gestiegen. Außerdem hatten einige Naturkatastrophen – vor allem in Asien und Südamerika – die Erde erschüttert.

Die Kluft zwischen Arm und Reich hatte sich vergrößert. Es gab die, die sich alles leisten konnten; die Mittelschicht war immer kleiner geworden und es gab die Armen, die alles was ihnen erzählt wurde glaubten und die tagtäglich ums Überleben kämpfen mussten. Die Weltbevölkerung war auf fast 9 Milliarden gestiegen, sodass es immer mehr Städte gab und die Armenviertel, Ghettos, Slums und Favelas vor ihnen wurden immer größer.

Unberührte Flecken Erde gab es kaum noch. Die Stämme, Naturvölker und Eingeborenen wurden in die moderne Gesellschaft eingegliedert, die wenigsten ihrer Traditionen waren erhalten geblieben. Viele Tierarten wurden ausgerottet und die Weltmeere wurden immer weiter verschmutzt.

Viele dachten, dass das der absolute Tiefpunkt war, doch bald darauf dachten sie anders, denn vor drei Jahren hatten sich die Wesen der Nacht den Menschen offenbart, da sie das ewige Versteckspiel satt hatten. Die Vampire, Gestaltwandler, Magier, Nymphen, Feen und alle anderen nicht so häufigen Arten. Nur die schlimmsten, schrecklichsten, grausamsten und furchteregendsten Monster blieben noch immer im Verborgenen. Und das war wahrscheinlich auch gut so, denn das Chaos war schon groß genug.

Am Anfang sagten die Menschen sorglos und vertrauensvoll: „Wir kennen sie alle. Wir wissen von ihren Stärken und Schwächen. Sie sind keine große Gefahr für uns.“

Doch irgendwie eskalierte die Sache: Die Wesen der Nacht – so wurden sie damals offiziell genannt – waren nicht gleichberechtigt und es gab trotz allem von Beginn an Vorurteile, Angst und Argwohn zwischen Menschen und Wesen. Die Folge waren Anschläge und Morde auf beiden Seiten. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

Der Hass der Wesen auf die Menschen wurde größer, als die ersten Jagden auf sie stattfanden und es wurden stetig mehr. Die Reichen brüsteten sich, Monster gejagt und getötet zu haben. Den ärmeren Leuten wurde eingetrichtert, wie böse diese Wesen sind woraufhin sie sich fürchteten und oftmals jedes Wesen, das ihnen über den Weg lief, töteten. Nun sprach niemand mehr von ihnen als Wesen, die etwas anders waren als Menschen, sondern sie wurden nur noch „die Monster“ genannt.

Aus diesem Grund flüchteten sich die Wesen sich in die Einsamkeit abgeschiedener Gegenden wie Berge, Wälder und Wüsten. Es gingen jedoch auch Gerüchte um, dass einige verborgen in den Städten leben um von dort aus den Menschen zu schaden.

Die Monster wurden besser darin, sich zu verstecken denn alle wurden überprüft und sobald eines gefunden wurde, wurde es getötet. Die Jagdzüge wurden wieder seltener, aber wenn sie dennoch geschahen, dann waren sie heftig und tödlich.

Und ich bin eines dieser Monster. Ich bin eine Magierin. Und jetzt bin ich auf der Flucht. Es ist meine erste Jagd. Bis jetzt bin ich jedes Mal gut davongekommen, aber heute wohl nicht. Ich habe Angst. Wenn die Jäger mich fänden, würden sie sicher kein Mitleid mit mir haben, auch wenn ich erst 18 Jahre alt bin. Denn Monster ist Monster.

Die ganze Zeit hetze ich von einer Gasse in die nächste, immer darauf bedacht, die Richtung zum Treffpunkt beizubehalten. Wenn ich mich hier verirre, bin ich verloren, dachte ich. In dieser Gegend kenne ich mich kaum aus, ich weiß nicht, wie ich hier rauskomme, wenn ich vom mir bekannten Weg abweiche. Während dank des Regens Haare und Klamotten an mir kleben und das Licht langsam schwindet mobilisiere ich meine letzten Kräfte.

Dann passiert das denkbar Ungünstigste: Ich trete auf einen Stein und knicke um. Da ich mit ganzer Kraft gerannt war, stürze ich schmerzhaft zu Boden.

Mein rechter Knöchel schmerzt wie verrückt und jetzt macht es sich auch noch bemerkbar, dass ich die letzten zwanzig Minuten – mindestens – nur durch die Gegend gelaufen war.

Plötzlich höre ich einen markerschütternden Schrei. „Oh mein Gott“, flüstere ich entsetzt und voller Angst. Ich fühle langsam die Panik in mir aufsteigen. Es kann wohl nicht mehr schlimmer werden, oder? Ich bin vollkommen hilflos; mit verstauchtem Knöchel auf dem dreckigen Boden einer Gasse in den Armenvierteln; ohne körperliche Kraft und deshalb auch vollkommen unfähig Magie zu wirken. Obendrein haben es die Jäger auf mich, meine Freunde und meine Familie abgesehen und sie sind nicht weit weg von mir, das hat mir der Schrei gezeigt.

„Weiter! Hier lang!“, höre ich eine Männerstimme befehlen. Ein Hund bellt und Schritte – oh mein Gott – sie kommen in meine Richtung! Was soll ich denn jetzt nur tun?, denke ich verzweifelt.

Dann kommt mir eine Idee, die verrückt ist und nie funktionieren wird, aber irgendetwas muss ich schließlich versuchen. Ich kann ganz sicher nirgendwo mehr hinrennen. Mein Knöchel tut so unglaublich weh, da hatte ich wirklich ganze Arbeit geleistet.

Ich krieche auf allen Vieren zu einem breiten Türrahmen in der Nähe. Dieser bietet ein bisschen Schutz vor dem Regen, der weder weniger noch mehr wird. Was für ein Dreckswetter! Ich ziehe meinen kleinen Rucksack, indem sich ein bisschen Geld, Klamotten und Lebensmittel befinden an mich, damit ich auch ein bisschen von vorne geschützt bin. Langsam wird mir nämlich ganz schön kalt.

Mir fällt auf, dass ich zu lange nichts mehr von den Jägern gehört habe.

Und prompt schießt in diesem Moment ein großer schwarzer Hund an mir vorbei. Ich erschrecke so sehr, dass ich mich nur noch fester gegen die geschlossene Holztür presse. Was für ein Hund das gewesen ist kann ich nicht sagen,– es gibt momentan wirklich Wichtigeres – aber ich bin mir zu zweihundert Prozent sicher, dass es einer der Jagdhunde war.

Komischerweise höre ich niemanden kommen. Ich beuge mich vor, um in die Gasse blicken zu können. Kaum schiebe ich meinen Kopf über den Rand des Türstockes hinaus, entdeckt man mich. Oh Mist, warum waren die nur so leise?!

„Halt! Keine Bewegung oder ich schieße!“, brüllt dieselbe Stimme wie schon zuvor aus nicht gerade großer Entfernung. Ich erstarre mitten in der Bewegung, was auch nicht gerade angenehm ist und starre die Männer an, die auf mich zukommen. Es sind drei, die allesamt schwarze, teuer aussehende Kleidung tragen, stark bewaffnet und mit einem Gewehr auf mich zeigen.

Der Anführer – er ist derjenige, der mich angeschrieen hat – erreicht mich als Erster und zeigt mit seinem Gewehr auf meinen Kopf. Jetzt ist es aus mit dir. Überleg dir schon mal deine letzten Worte, schoss es mir durch den Kopf. Aber ganz ganz ganz vielleicht würde mein Plan aufgehen. Ich starre weiterhin den Gewehrlauf an. Ich habe noch nie in meinem Leben so große Angst gehabt, mein Körper ist wie festgefroren.

„Bitte. Bitte nicht schießen“, flehe ich die Jäger an. „Ich bin kein…“ Ich stocke. Jetzt bloß nichts Falsches sagen! „Ich bin kein Monster. Ich, ich hab so Angst vor ihnen, ich bin auf der Straße gewesen und habe die Schreie und Schüsse und das alles gehört. Dann bin ich weggerannt. Sind denn immer noch welche hier?“, sage ich mit einer zittrigen und angsterfüllten Stimme. Dafür muss ich mich auch nicht verstellen.

Ich blicke nach oben, zu dem Mann, der den Gewehrlauf immer noch auf mein Gesicht gerichtet hält. Der Regen lässt jetzt – ausgerechnet jetzt, wenn es egal ist – langsam nach, sodass ich nicht die ganze Zeit blinzeln muss. Der Jäger ist jung, vielleicht drei, vier Jahre älter als ich. Und er ist gutaussehend. Schwarze, dichte Haare, einen schönen Teint, hellbraune Augen, die mich nachdenklich mustern. Und er ist offenkundig reich. Er hat in jedem Ohr einen goldenen Stecker mit einem großen Stein und eine ebenfalls goldene Halskette verschwindet im Kragen seines schwarzen T-Shirts, über dem er – genauso wie die anderen beiden, was ich mit einem kurzen Blick zur Seite feststelle – eine Lederjacke und eine Schutzweste trägt.

Das Abchecken dauerte nur wenige Sekunden. Der Anführer lässt seine Waffe sinken und geht in die Knie. Sein Gesicht ist nur etwa dreißig Zentimeter von meinem entfernt und er sieht mir in die Augen.

Mit einer angenehm klingenden Stimme mit einem kaum hörbaren Akzent sagt er: „Du bist kein Vampir und kein Gestaltwandler – denke ich. Und ich kann auch keine Annzeichen irgendeiner anderen Gattung der Monster an dir erkennen.“ Er spricht das Wort Monster mit solch einem Ekel aus, dass mir ein Schauer über den Rücken läuft. „Ich glaube nicht, dass du eins bist. Das hoffe ich für dich. Denn wenn du nämlich doch eins bist, werden meine Freunde und ich keinen Moment zögern dich zu töten.“

„Ich, ich bin kein Monster. Ich bin ein ganz normaler Mensch“, antworte ich mit erstickter Stimme.

Der Typ nickt. Er scheint mir wirklich zu glauben. „Dann hast du großes Glück gehabt. Jetzt, während der Jagd, hätte ein Vampir kein bisschen gezaudert, dir jeden Tropfen Blut auszusaugen. Aber jetzt müssten keine mehr hier sein. Wir suchen die Häuser schon seit einer ganzen Weile ab und wir haben fast keine mehr gefunden. Die meisten sind gleich zu Anfang getötet worden oder geflohen.“ Seine Stimme und seine Augen zeigen, wie wütend er darüber ist. Ohne Zweifel, am liebsten würde er jedes Monster eigenhändig töten.

Vielleicht haben es welche von uns zum Unterschlupf geschafft. Ganz bestimmt sogar. Sie sind nicht dumm. Das erleichtert mich so sehr, dass sich mein Körper wieder entspannt und ich gegen die Tür zurücksinke.

Der Mann deutet meine Erleichterung falsch – Gott sei Dank! „Es gibt jetzt keine Gefahr mehr“, sagt er beruhigend. Ich hätte nicht erwartet, dass seine Stimme auch so sanft klingen kann. „Aber sie können trotzdem jederzeit wieder zurückkehren. Wir sollten von hier verschwinden. Komm mit uns, ich bring dich in Sicherheit, später sehen wir weiter.“

Ich nicke und er steht auf. Ich versuche es ebenfalls und zucke zusammen. Ich habe meinen Knöchel vergessen.

„Alles in Ordnung?“, fragt der Jäger.

Ich schüttle den Kopf. „Ich bin lange und viel gerannt und ich bin umgeknickt. Ich glaube, ich habe mir den Knöchel verstaucht“, sage ich deute dabei auf meinen rechten Fuß.

„Oh. Warte, ich helfe dir.“ Und bevor ich auch nur ein Wort sagen kann, beugt er sich schon herunter und hebt mich hoch. Ich stoße einen erstaunten Laut aus. Spielt er jetzt den Gentleman, oder was? Ein Jäger? Nun ja, die Welt ist seltsam.

Der zweite Jäger nimmt meinen Rucksack, wirft ihn sich über die Schulter und folgt dem Dritten, der schon vorausgegangen ist und um die nächste Ecke späht. Sehr gesprächig sind ja beide nicht gerade.

Dann dreht er sich zu uns um und sagt: „Dort vorne sind mehrere Autos. Das muss wohl unser Treffpunkt sein. Kommt.“ Mit diesen Worten verschwindet er um die Ecke. Immerhin kann er reden.

Der Typ, auf dessen Armen ich mich befinde, setzt sich in Bewegung und fragt: „Wie heißt du eigentlich?“

Oh, stimmt, wir hatten uns ja noch gar nicht vorgestellt. Klar, er ist ja eigentlich hier, um mich zu töten.

„Ich heiße Lucia.“ Meine Großeltern väterlicherseits kommen aus Italien, deswegen auch der Name.

„Und wie noch?“ Verdammt. Ich kann ihm schlecht meinen richtigen Nachnamen sagen. Er würde zu schnell herausfinden, dass ich einer Magierfamilie entstamme.

Ich sage das erstbeste, dass mir in den Sinn kommt. „Simas. Lucia Simas.“ Und weil ich auch wissen will, wer er eigentlich ist füge ich noch hinzu: „Und wer bist du?“ Ich duze ihn. Das tut er bei mir auch und schließlich ist er nicht sehr viel älter als ich, zumindest nehme ich das an. Im Schätzen war ich noch nie besonders gut.

„Vielleicht kennst du mich aus den Nachrichten“, sagt er mit ein klein wenig Stolz und vielleicht auch Arroganz in der Stimme. „Ich heiße Noah. Noah Avery.“

Oh. Ich glaube, ich kenne ihn wirklich. Sein Vater ist irgendso ein Millionär. Und er vielleicht auch schon. Ich weiß es nicht mehr genau.

„Sag mal, wo kommst du eigentlich her? Wohnst du hier? Warum bist du dann nicht gleich nach Hause gegangen?“, fragt Noah mich. Also neugierig ist er schon.

Was soll ich ihm nur sagen? Die Wahrheit geht schlecht, denn ich wohne zwar hier in der Nähe, aber ich bin schließlich geflohen, weil ich ein Monster bin. Dann fällt mir etwas ein. Notfallplan B. Meine Freunde und ich haben uns immer ein paar Geschichten überlegt, falls wir von irgendjemandem auf der Flucht aufgehalten werden würden.

Ich hoffe, er glaubt mir. „Na ja. Ich bin von meinen Eltern weggelaufen. Frag nicht, ist eine lange Geschichte, die ich echt keinem erzählen will. Und ich will wirklich nicht zurück. Ich wollte eh schon viel früher gehen. Hätte ich’s nur gemacht, dann wäre die Lage vielleicht besser.“

Und auch jetzt nimmt er mir die Geschichte ab. Er nickt, scheint mich zu verstehen. „Und wo willst du nun hin?“

Mist. Auf diese Frage bin ich kein Stück vorbereitet. Also sage ich die Wahrheit. „Ich habe keinen blassen Schimmer. Ich kann zu niemandem.“ Und während ich diese Worte ausspreche wird mir bewusst, dass das wirklich so ist. Ich kann mich an niemanden anderen wenden, weil alle, mit denen ich zu tun habe, Monster sind. Und ich muss aufpassen, eine Zeit lang warten, bis ich zum Treffpunkt zurückkann, schließlich bin ich jetzt mit einem Jäger auf dem Weg zu noch mehr Jägern. Und ich kann mir vorstellen, dass wenigstens ein paar von ihnen mir misstrauen.

„Keine Sorge“, sagt er beruhigend. Seine Stimme klingt ganz anders, wenn er so spricht. Viel ruhiger, weder arrogant noch befehlend. „Wenn du willst, kann ich dir helfen, wo unterzukommen, ja? Du brauchst nur zu fragen.“

Das Angebot überrascht mich jetzt schon sehr. Aber gut, was bleibt mir für eine Wahl? „Danke“, sage ich. Ich hoffe, dass es kein Fehler ist, mich mit einem Jäger einzulassen. Aber das wird nur die Zukunft zeigen.

 

Kapitel 1