Einzele Texte (Fan Fictions usw)

Hier kommen alle kleinen Texte hin, alles, was nur aus einem Text besteht, nichts ist, was ich vorführe. Sowas nennt man One Shot (OS). Vielleicht mal eine Songfiction, also ein Song zu einem Text, wenn ich das mal hinbekomme, mal sehen. :)

Brief von Annie

Es handelt sich mal wieder um eine Panem-FF, diesmal ein OS. Eigentlich sollte es eine Songfiction werden, ich hatte auch schon ein sehr gut passendes ausgesucht (My Love von Sia) aber es hat einfach nicht funktioniert, vielleicht hab ich auch einfach kein Talent dafür, wer weiß. Aber das Lied hat mich trotzdem inspriert und ich wollte das einfach unbedingt schreiben und hier ist es also. Meine Annie ist leider nicht so verwirrt geworden, wie sie im Buch ist, aber ich hoffe, es passt auch so ganz gut :)

Mein liebster Finnick,

 

ich denke, es ist Zeit, dass ich das tue, was ich schon so lange vorhatte und hätte tun sollen. Ich schreibe einen Brief an dich. Einen Brief, in dem ich dir erzähle, was ich dir schon die ganze Zeit sagen wollte, was mir wichtig ist, was mir etwas bedeutet.. Und dir – da bin ich mir sicher – auch. Einen Brief, der sehr lang und schmerzhaft für mich wird und den du hoffentlich irgendwie lesen kannst, wo auch immer du gerade bist. Denn ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr und werde dich nicht vergessen. Aber ich werde weitergehen, weiterleben. Das habe ich in der gesamten Zeit ohne dich gelernt. Es war schlimm. Es war schrecklich, aber ich habe geschafft, darüber wegzukommen. Nein, dass ist das falsche Wort. Ich habe es geschafft, damit zu leben. Es ist immer noch schrecklich. Oft genug, wenn ich irgendetwas sehe, dass ich dir gerne erzählen würde, oder wenn ich deine Nähe vermisse, deinen Geruch, deine Augen, deine Haare, dein ganzes Ich, fange ich wieder an zu weinen und vermisse dich so sehr, dass ich denke, niemals ohne dich leben zu können.

 

Mein lieber Finnick, ist gibt Unmengen an Dingen, die ich dir erzählen muss und will. Ich weiß nicht, ob ich alles davon aufschreiben, in Worte fassen kann, aber ich werde es versuchen. Viel lieber würde ich mit dir reden, mich an dich kuscheln und deine Nähe spüren. Aber das geht jetzt nicht mehr. Und du bist für mich greifbarer, wenn ich dir schreibe, wenn ich mir vorstelle, wie du den Brief öffnest, siehst, dass er von mir ist, lächelst, dir vielleicht mit der Hand durch deine wunderbaren wuschligen Haare fährst und ihn dir dann durchliest. Und wie du, wenn du fertig bist, eine lange Zeit auf das Blatt Papier in deinen Händen blickst, es dann an deine Brust drückst und eine einzelne Träne vergießt, weil du mich genauso sehr vermisst wie ich dich. Weil wir uns so sehr geliebt haben und immer noch lieben. Daran gibt es für mich keinen Zweifel. Siehst du? Und schon fange ich zu weinen an, weil allein diese Vorstellung zu viel für mich ist. Jetzt fallen auch noch ein paar Tränen auf das Blatt. Ich hoffe, ich verwische meine Schrift nicht zu stark, du musst es ja noch lesen können. Aber du konntest meine Schrift ja schon immer lesen, egal wie schrecklich ich geschrieben habe.

 

Du hast dich selbst hinter dir gelassen. Du bist weitergegangen. Du hast auch mich hinter dir gelassen. Auf eine gewisse Weise, die körperliche. Auf eine andere Weise nicht, denn du bist immer in meinem Herzen und wirst dort immer bleiben. Ich bin bei dir, du bist bei mir. Unsere Herzen sind immer vereint. Werden es bleiben. Warte auf mich, ich werde zu dir kommen, und das ganz sicher für immer. Das dauert nur noch eine Weile, aber kommen werde ich ganz bestimmt. Ich freue mich schon darauf, dich wieder zusehen, auch wenn ich weiß, dass ich dann tot bin, dass ich dieses Leben hier verlassen habe. Aber ich weiß, dass wir uns wieder sehen werden. Diese Gewissheit hat mir geholfen, durch diese schwere Zeit zu kommen. Du bist nicht für immer weg. Ganz sicher nicht.

 

Schon immer hast du auf mich gewartet. Als ich ertrunken bin, in den Ängsten und Torturen der Hungerspiele. In den Albträumen und all den anderen Schrecken, die ich gar nicht nennen will und die ich nur mit deiner Hilfe überstanden habe. Natürlich sind sie noch in mir drin. Und manchmal kommt es hervor, manchmal habe ich immer noch Albträume, träume von den vielen Toten, von meiner Schuld, von all den Grausamkeiten. Ich weiß, dass ich nicht mehr so bin wie früher, aber durch dich habe ich gelernt, dass das nicht so schlimm ist. Jeder Sieger erlebt das und die meisten stehen es auch durch. Nicht alle, ich weiß, aber ich bin jetzt stark, ich werde das bis zum Ende meines Lebens durchstehen, wie ich es bis jetzt durchgestanden habe. Weil du mir gezeigt hast, wie. Auch wenn du nicht mehr da bist und mir helfen kannst.

 

Und ich habe auf dich gewartet, als du im Kapitol warst und so viel durchleiden musstest. Und wir haben aneinander geglaubt, nie aneinander gezweifelt, immer gewusst, dass wir bald wieder beieinander wären, immer auf unsere Liebe vertraut. Wir haben alles durchgestanden. Und dann bist du wieder weggegangen, um alles endgültig gut zu machen. Und du bist nicht wieder zu mir zurückgekehrt. Du bist gestorben, für die, an die du geglaubt hast, von denen du wusstest, dass sie wichtig sind, wichtiger sind als du – zumindest in der Rebellion. Das waren sie und doch war dein Tod sinnlos. Die beiden haben nichts erreicht, was sie ohne deinen Tod nicht auch erreicht hätten. Doch daran denkt niemand. Aber ich tue es und ich hoffe, Katniss und Peeta tun das auch. Aber ich verstehe, weshalb du das getan hast. Die Entscheidung getroffen hast, für sie zu sterben. Weil du geglaubt hast, dass sie dann etwas erreichen. Dass sie dann alles in Ordnung bringen. Dass das nur dann geschieht, wenn du ihnen mit deinem Opfer hilfst. Weil du sie retten musstest, dass war für dich wichtig. Du warst schon immer so. So beschützend und so freundlich und so gut, so überzeugt von deinen Idealen und so Du. Es ist alles in Ordnung gekommen, aber nicht unbedingt so, wie es hätte sein sollen. Ich vermisse dich, mein Liebster. Mein Geliebter. Mein Herz. Mein Finnick, mein Fin. Für immer. Das weißt du. Und so wird es auch bleiben. Ich weiß, dass ich mich nicht mehr neu verlieben werde. Dafür bist du mir zu wichtig, dafür bedeutest du mir zu viel, dafür war unsere Liebe zu groß. Dafür ist sie zu groß. Nein, das könnte ich nicht. Nur für dich ist Platz in meinem Herzen. Und für unseren Sohn.

 

Ich werde ihm alles erzählen, wenn er alt genug dafür ist und es alles versteht. Ich will, dass er dich liebt wie einen Vater, auch wenn er nie die Möglichkeit hatte, dich kennenzulernen. Mein Elja. Unser Elja. Er sieht dir so ähnlich. Er hat deine Augen. Und die Weichheit deiner Haare. Du kannst nicht glauben, wie schnell er mein Herz erobert hat. Sogar noch schneller als du, wenn das überhaupt möglich ist. Denn er kommt von dir, allein deshalb muss ich ihn lieben. Er ist so unglaublich süß und lieb. Wenn er nicht wäre, wäre ich vielleicht zerbrochen. Er und meine lieben Freunde. Früher waren es deine Freunde. Sie sind es noch immer, aber jetzt sind es auch meine. Johanna, Katniss, Peeta, Haymitch und so viele mehr. Aus unserem Distrikt, aus vielen anderen. Alle kamen sie zu mir, um mir zu helfen. Von überall her kamen sie zu mir. Das hätte ich nie erwartet. Das liegt an dir. Du hast schon immer alle eingenommen. Sie haben dir sofort einen Platz in ihrem Herzen freigemacht. So wie ich auch.

 

Und die Hilfe hatte ich auch nötig. Als ich erfuhr, dass du tot bist, da habe ich es nicht geglaubt. Ich habe alle angeschrieen, die mir das erzählen wollten. Ich hab ihnen gesagt, dass du viel zu klug bist, um zu sterben. Dass du mich nie allein lassen würdest. Dass du zurückkommen würdest. Wie du es immer getan hast. Genau wie ich immer zu dir zurückgekommen bin. Aber irgendwann wurde es mir klar. Dass du weg bist. Dass du tot bist. Dass du nicht zurückkommst. Und ich weinte und weinte und weinte und weinte. Ich verkroch mich, schottete mich von allem ab und weinte nur noch, verzweifelte. Und ich starb innerlich. Und es schien keinen Halt in mir mehr zu geben. Denn der Halt bist schon immer du gewesen, und du warst nicht mehr hier. Mein einziger Halt. Die Albträume wurden wieder schlimmer und jetzt warst auch du in ihnen. Es war eine schreckliche Zeit. Und dann merkte ich, dass ich schwanger war. Erst ging es mir noch schlechter, ich konnte es nicht ertragen ein Kind von dir zu bekommen, dich aber niemehr sehen zu können. Aber dann wurde mir klar, dass ich jetzt eine Verantwortung übernehmen musste: für unser Kind. Damit es leben konnte. Und ich riss mich langsam wieder zusammen und dachte daran, dass du immer noch irgendwo über mir warst und auf mich und unser Kind aufgepasst hast. Und das tust du heute immer noch. Irgendwie, von irgendwo. Da bin ich mir zu hundert Prozent sicher. Und auch deshalb liebe ich dich. Weil du immer für mich da bist, immer auf mich aufpasst, mir immer das Gefühl gibst, dass du für mich da bist, mir hilfst, mich nie vergisst, mich liebst, ohne jeden Zweifel.

 

Es gibt tausend Gründe, warum ich dich liebe. Warum ich dich schon immer geliebt habe. Ich habe dir so viel zu verdanken. Ich weiß nicht, wo ich heute ohne dich wäre. Irgendwo in einem Meer aus Albträumen, die sich selbst dann nicht ändern, wenn ich aufwache. Vielleicht sogar tot, weil ich die Qual nicht mehr ertragen konnte. Ich weiß es nicht und ich will eigentlich auch gar nicht dran denken. Denn du bist in mein Leben getreten wie ein himmlischer Engel, der mich aus dem Dunkel hervorgeholt hat. Du bist zu einem Teil meines Lebens geworden, zu einem immer größeren. Du hast immer an mich geglaubt, egal wie schlecht es mir ging, selbst in den Momenten, in denen ich dich gehasst habe, weil ich nichts mehr ertragen habe. Ich danke dir so sehr dafür. Ich spüre deine Nähe gerade so sehr, als würdest du direkt hinter meinem Stuhl stehen, nur wenige Zentimeter von meiner Haut entfernt und siehst über meine Schulter auf das, was ich gerade schreibe. Du siehst meine immer mehr fließenden Tränen und beugst dich vor. Du küsst sie mir von den Wangen und umarmst mich. Du bist wieder einmal für mich da. Wie immer.

 

Mein Liebster, ich muss nun zum Ende kommen. Ich sehe, wie Elja gerade mit Johanna vom Strand hochkommt und auf das Haus zugeht. Ja, deine Johanna, deine Freundin. Sie hat es langsam geschafft, ein kleines bisschen ihre Angst vorm Wasser zu überstehen. Nicht komplett, ich weiß nicht, ob das je geschehen wird, aber sie bricht nicht mehr so schnell in Panik aus. Ich will nicht, dass sie mich so sehen, sie haben mich schon viel zu oft weinen sehen. Ich möchte stark sein, für sie, für alle, für Elja, für mich, und für dich. Weil du mir gezeigt hast, stark zu sein. Ich habe nicht alles erzählt, was ich gerne hätte, aber mehr kann ich nicht in Worte fassen. Ich bin sicher, dass du genau weißt, was ich alles erlebt habe und ich dir das nicht erzählen brauche und meine Gefühle, nun, du kennst mich so gut, besser als jeder andere, ich bin sicher, du weißt genau, wie es mir gerade geht.

 

Mein Liebster, ich werde mich mein ganzes Leben lang an dich erinnern. An jeden unserer Momente. An jeden Augenblick, in dem wir uns geliebt haben. Für immer. Ich werde dich immer lieben, für immer. Ich liebe dich und ich werde nie aufhören dich zu lieben. Da gibt es keinen Zweifel. Das weißt du und doch kann ich nicht aufhören, es dir zu sagen. Weil es mir so wichtig ist, weil du mir so wichtig bist. Weil es so unglaublich ist, dass gerade du mich liebst. Immer noch, auch nach dieser langen Zeit.

 

Ich liebe dich mein Schatz,

ich wünsche dir alles Liebe in deinem Himmel,

deine Annie,

auf ewig.